RESERVOIR VI - PYROTEKTURA

Installationen aus Licht, Klang und Feuer

im Großen Wasserspeicher (Belforter Str.)
Berlin - Prenzlauer Berg
vom 15. Juni.- 4. August 2002
Di - So: 15 - 21 Uhr Uhr

    
  
Christian Bilger - Flugbahn-eine bewegte Projektion



Qin Chong - past-future



Roland Fuhrmann - Accelerator



Thomas Gerwin - Soundscape No. 3



Gabriele Heidecker - hide the fire



Daniela Hussel- SONNENLEHEN



          PYROTEKTURA

Feuer ist das zwiespältigste der vier Elemente. Es steht für wohltuende Wärme und Vernichtung, für Zerstörung - Reinigung und Neuanfang. Es war vor allem die Kontrolle des Feuers, welche den Zivilisationsprozeß der Menschheit vorantrieb. In allen Kulturen ranken sich die Mythen um seine Herkunft. Antike Naturphilosophen maßen dem Feuerelement, als Lebensprinzip von Werden und Vergehen, entscheidende Bedeutung zu. Alchimisten und Chemiker stellten das Phänomen des Feuers in den Mittelpunkt ihrer Forschungen. Erst im 18. Jahrhundert verschwand der Begriff Feuer aus dem naturwissenschaftlichen Disput und wurde durch die Termini wie Thermodynamik, Wärme und Energie ersetzt. Mit dem Einsatz der Dampfmaschine wurde die Umwandlung der Feuerkraft in Energie revolutioniert. Durch die Verdrängung der Dampfkraft durch Öl, Gas und Elektrizität verschwand das Feuer zunehmend aus unserem Bewußtsein. Obwohl der Energieverbrauch des Einzelnen in der Menschheitsgeschichte von 10 auf 1000 Megajoule gestiegen ist, findet die alltägliche Erfahrung mit dem offenen Feuer kaum noch statt.

Zwölf bildende Künstler haben sich dem Thema Feuer aus unterschiedlichsten Gesichtspunkten genähert und sich vor allem für seine Auswirkungen interessiert. Kain Karawahn reduziert die Erfahrung des Feuers auf den kleinsten Nenner. Indem er den Besucher einen dunklen Raum betreten lässt und ihn nur mit einem einzigen Streichholz ausstattet, hängt es vom Geschick der Person ab wie lange die Flamme hält und was er dabei erlebt und sieht. In Ines Tartlers sieben Kammern erfährt der Besucher Atmosphärisches. Durch unterschiedlich eingesetzte Medien wie Licht, Text, Klang, Geruch und Wärme verbinden sich Erscheinungen der Energie und sprechen die innere und äußere Wahrnehmung an. Katrin Schiffbauer läßt den Besucher durch ein sich steigerndes fiktives Flammenmeer laufen, welches an die überdimensionierte Phantasielandschaft aus unseren Kindheitstagen erinnert. Daniela Hussel führt durch drei Erfahrungsbereiche. Der mit Ruß gefüllte Kubus steht als Sinnbild für die Vergänglichkeit des Feuers. Im Besinnungsraum ahnen wir den schwachen Nachhall vom Flackern und Knistern eines Feuers. Am dritten Ort werden wir mit sieben künstlichen Sonnen konfrontiert, deren Strahlung Verbrennen und Heilen signalisieren. Wolfgang Spahn verbindet die etwas altertümliche Öllampe mit modernster Technik, indem er den Betrachter animiert, mittels SMS-Botschaften ein Feuerspiel zu entfachen. Christian Bilger erinnert mit seiner Installation an die frühere Nutzung des Feuers als Leuchtsignal für Seeleute in dunkler Nacht. Sein Leuchtturm kreist und wirft sein stetiges Licht in die nahen und fernen Rundungen des großen Speicherringes. Wie ein fernes Dröhnen aus einem Schiffshorn durchdringen die tiefen Töne eines gasbetriebenen Tieffrequenzgenerators von Bastiaan Maris den Schreitenden. Im zweiten Ring läßt Gabriele Heidecker Feuerstellen in unendlicher Reihung entstehen. Der Betrachter sieht sich integriert und gespiegelt in den Glutplätzen, deren Hütung von lebenswichtiger Bedeutung war. Seine nächsten Schritte lösen ein Knistern und Flackern aus und über seinem Kopf wird er fünf Feuerringe gewahr, mit denen Roland Fuhrmann an die revolutionäre Entdeckung der Elektrizität erinnert. Im dritten Ring hat Qin Chong auf Aschengrund unzählige weiße Papierzylinder angeordnet, die ohne sichtbares Ende im Halbrund den Blicken entschwinden und deren abgebrannte Kanten eine auf und abschwellende plastische Raumlandschaft suggerieren. Aus der Wand scheinen uns die weißen Fragen von Angela Lubic entgegen zu schweben, wo der Leser die Grenze zwischen Feuerslust und pyromanischer Veranlagung ausloten kann. In der Speichermitte erschafft Thomas Gerwin eine Klanglandschaft, in die der Besucher eintauchen kann - in bekannte und unbekannte Töne, Geräusche und Klänge, die bei Hitzeentwicklung entstehen.

Kuratorin: Barbara Rüth

Stand: 04.06.2002

Fotos: Copyright  by Roman März   




Wir danken für die Unterstützung von  Stiftung Kulturfonds, MIME CENTRUM Berlin und:

Kain Karawahn - Sparflamme



Angela Lubic - How much of a pyro are you



Bastiaan Maris - Rumble 1



Kathrin Schiffbauer - sentimental journey



Wolfgang Spahn - Flirt mit dem Feuer



Ines Tartler - kern
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