WASSERSPEICHER
BERLIN - PRENZLAUER BERG

Veranstaltet von FÖRDERBAND Kulturbüro und Kulturamt Prenzlauer Berg - Pankow
  




Wegen Verhinderung nicht gehaltene Rede



Liebe Christa Juretzka,
liebe Barbara Rüth,
liebe Almut Nehring-Venus
liebe Künstlerinnen und Künstler,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

Senatorenkalender sind oft erbarmungslos und lassen einen nur selten an Orte, die einem wirklich vertraut sind. Umso größer ist also meine Freude, heute Abend vor Ihnen zu sprechen und die sechste RESERVOIR-Bespielung in den Wasserspeichern mitzuerleben. Ich erinnere mich noch gut an das erste Mal, 1995, als junge Künstlerinnen und Künstler 50 Jahre nach Kriegsende eingeladen wurden, Erinnerungsarbeit zu leisten und mit Installationen und Tanztheater den großen und den kleinen Wasserspeicher zu bespielen. Dem vorangegangen war eine mühsame und langwierige Auseinandersetzung um den Erhalt dieses Industriedenkmals im Bezirk. Erst die kulturelle Nutzung durch das Klangprojekt "KrypTonale" vermittelte seinerzeit das eigentlich Verborgene des Ortes: ein Reservoir für die Erzeugung bislang unbekannter Erfahrungen und Bedeutungen inmitten der Stadt. Durch diese artifizielle Inszenierung wurde der Ort neu entdeckt und es konnte eine entsprechende Neubestimmung herbeigeführt werden. Die Partnerschaft zwischen dem Büro für Kulturvermittlung beim Förderband e.V., dem bezirklichen Kulturausschuss, dem Kulturamt und dem zuständigen Grünflächenamt ermöglichte es seitdem, die Wasserspeicher immer mal wieder - zumindest temporär - zu öffnen. Entstanden ist ein Erfahrungsraum, der sich dem Zwang der Verwertung entzieht. Das Projekt "Reservoir" wurde zu einem festen Programmpunkt in dem ansonsten geschlossenen Gewölbe. Nachdem in den vergangenen Jahren die Elemente Wasser, Erde und Luft künstlerisch thematisiert wurden, widmen sich in RESERVOIR VI die unterschiedlichen künstlerischen Disziplinen nunmehr dem Element Feuer als einer der grundlegenden Kräfte des Universums und als Begriff für unseren Planeten. Zwölf pyromane Installationen sind in der Ausstellung im großen Wasserspeicher zu sehen, Kompositionen und Inszenierungen werden an den Wochenenden im Kleinen Wasserspeicher uraufgeführt. Die Projektreihe "Reservoir" ist ein positives Beispiel dafür, wie wirkungsvoll dezentrale Kulturarbeit sein kann. Die Aktionen in den unterirdischen Räumen sind mittlerweile weit über die Grenzen des Prenzlauer Bergs und der gesamten Stadt hinaus bekannt. Dezentrale Kulturarbeit halte ich für einen wichtigen kulturpolitischen Faktor in der Sicherung und Entwicklung der Gesamt-Berliner Kultur. Ich danke den beteiligten Künstlerinnen und Künstlern und natürlich der Kuratorin und Organisatorin Barbara Rüth, die das Projekt Jahr für Jahr mit einem wirklich kleinen Etat aufs Neue "gestemmt" hat. Der diesjährigen Veranstaltung und den beteiligten Künstlerinnen und Künstlern wünsche ich viele beeindruckte Besucher und ein feuriges Finale.