RESERVOIR IX

"behaust - unbehaust"

Interdisziplinäres Kunstprojekt in den Wasserspeichern von Prenzlauer Berg

17. Juni – 31. Juli 2005.
Zum neunten Mal öffnen sich die Wasserspeicher von Prenzlauer Berg für das interdisziplinäre Kunstprojekt RESERVOIR. Bildende Künstler, Schauspieler, Performer und Musiker verwandeln den „Bauch vom Prenzlauer Berg“ in einen außergewöhnlichen Kunstraum.

2005 findet RESERVOIR als Diskurs zum Thema behaust – unbehaust statt. Das Begriffspaar gilt uns als Schlüssel-Bild für den Zustand der globalisierten Welt. Mit der Durchsetzung der New Economy rund um den Erdball vollzieht sich weltweit in rasantem Tempo eine soziale Polarisierung. Auf der einen Seite die Konzentration von Macht und Ressourcen mit Behausungen aus Stahl, Glas und Beton. Auf der anderen Seite wächst das Heer der Mittellosen und Unbehausten. Immer mehr Menschen sind unterwegs in Zwischenräumen. Sie schlagen Zelte auf, wohnen in Containern, schaffen Provisorien. Sie verlassen den traditionellen Wohnort, die Gemeinschaft, die Familie und gehen dorthin, wo es Arbeit, wo es Wasser, wo es Frieden gibt. Migration ist Überlebensstrategie.

Das Haus als Behausung ist durch die Dialektik von innen und außen bestimmt. Wer drinnen ist, findet das Eigene und definiert das Fremde. Im Sprachgebrauch werden mit den Begriffen behaust – unbehaust sowohl äußere Gegebenheiten, als auch innere Zustände, materielle Fakten, als auch seelische Befindlichkeiten bezeichnet. Dem Haus, in dem gewohnt wird, kommt eine besondere Bedeutung zu. Ganz gleich ob es Jurte oder Container, Reihenhaus oder Hochhaus, Lehmhaus oder Wolkenkratzer ist, die Behausung stiftet Identität. Sie gibt Raum für Gedanken, Erinnerungen, Träume. Sie beweist Stabilität oder täuscht diese vor. Was geschieht, wenn tradierte soziale Gefüge auseinanderbrechen? Wo finden die Menschen ihren Ort, die neue Behausung?

Rund 50 Künstlerinnen und Künstler haben die thematische Vorgabe aufgegriffen. Sensibel und wagemutig formulieren sie ihre Assoziationen zu behaust – unbehaust. Sie stellen Fragen, irritieren und provozieren und lassen sich bei alledem von der außergewöhnlichen Raumsituation der Wasserspeicher inspirieren. / Barbara Fuchs

Projektleitung: Barbara Fuchs / Barbara Rüth
Großer Wasserspeicher: Ausstellung "behaust - unbehaust"
Kleiner Wasserspeicher: Theater und Performances